Champagner - Auch die Rendite prickelt

Martin Mrowka | Geldanlage/Luftfahrt/Logistik/Solar/Windkraft
26.04.2018 13:42

In Zeiten niedriger Sparzinsen lohnt oft ein Blick auf alternative Geldanlage-Formen. DER ANLEGER checkt hier die Gewinnchancen, die mit edlem französischen Champagner zu verwirklichen sind.

Kaum ein Getränk wird so sehr als Statussymbol genutzt wie Champagner. Die Reichen der Welt in Monte Carlo, Moskau und München trinken den prickelnden Rebensaft oft schon zum Frühstück. In ihren Privatkellern lagern Moët & Chandon, Veuve Clicquot, Heidsieck, Taittinger und Pommery oft kartonweise, jede Flasche zu mindestens 50 Euro. Otto-Normalverbraucher gönnt sich manchmal ein, zwei Flaschen zu Weihnachten, zur Hochzeit oder zur bestandenen Prüfung – das war‘s.

Dabei kann Champagner auch zu bescheidenem Reichtum führen. Während der Jetset kaum daran denkt, dass Champagner im Wert wachsen kann, kaufen Kenner bestimmte Flaschen ausschließlich mit der Aussicht auf einen späteren Gewinn. 

Champagner - mehr als nur Statussymbol

Jahre vergehen
Ähnlich wie etwa bei seltenen Whiskys ist auch beim Champagner Geduld gefragt, schnelle Gewinne lassen sich nicht erzielen. Erst nach etwa 20 Jahren können nennenswerte Wertzuwächse verzeichnet werden. Um die Chance darauf zu erhöhen, sollten Interessenten Folgendes beachten: Nur Jahrgangs-Champagner haben die Chance, deutlich im Wert zu wachsen. Sie sind oft länger als zwölf Jahre haltbar und erwirtschafteten in der Vergangenheit in diesem Zeitraum Gewinne von über 130 Prozent. Ein guter Jahrgangs-Champagner hat außer einem hohen Lagerpotenzial eine dichte Komplexität und einen Wiedererkennungswert des jeweiligen Jahrgangs.

Je kleiner, limitierter die produzierte Menge einer Sorte bei hoher Qualität, desto größer die Wertsteigerungschancen. Nachteil: Schon beim Kauf sind diese edlen Tropfen relativ teuer – zumal sich ein Kauf in einem Supermarkt eigentlich verbietet, da dort meist schlechte Lagerbedingungen herrschen (siehe Tipps). Für Spitzen-Erzeugnisse muss man oft schon mehrere hundert Euro hinblättern – pro Flasche wohlgemerkt.

Wir haben bei einem Experten nachgefragt, welcher Champagner zur Geldanlage taugt. „Grundsätzlich sind nur bei den Top-Namen und ab einem gewissen Alter auf Dauer höhere Preise zu erzielen“, sagt Michael Unger vom Bremer Wein-Auktionshaus Koppe & Partner. Jahrgangs-Champagner aus kleineren Winzer-Gütern, die durchaus eine gute Qualität haben können, ließen allenfalls marginale Wertsteigerungen erwarten.

Dom Perignon - der Lieblings-Champagner auch von James Bond - hat durchaus Wertsteigerungs-Chancen

Champagner – wie ihn James Bond am liebsten mag

Zu den Top-Häusern gehören etwa Krug,  Veuve Cliquot und natürlich Dom Pérignon. Kaum ein anderer Champagner steht derart für Luxus und Perfektion wie der Dom Pérignon mit dem markanten Wappen-Etikett.  Gut 100 bis 500 Euro kostet eine Flasche im Handel, je nach Sorte und Jahrgang. Der Lieblings-Champagner von James Bond ist das Luxus-Cuvée aus dem Hause Moët Chandon. Letzteres gehört zum börsennotierten Luxusgüter-Konzern LMMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), der seit Jahren gute Wertsteigerungen verzeichnet (und vielleicht auch einen längerfristigen Aktienkauf lohnt: ISIN FR0000121014).

Wer nun sein edles Getränk nach Jahren der perfekten Lagerung nicht selbst verkosten, sondern es mit Gewinn zu Geld machen möchte, kann sich an ein Auktionshaus wenden oder auch direkt an High-Class-Hotels. So veranstaltet Koppe & Partner regelmäßig Präsenzauktionen, auf denen neben Wein auch hochwertige Champagner versteigert werden. Anfang Dezember kam im Hamburger Hotel „Vier Jahreszeiten“ etwa eine Flasche Dom Pérignon Brut 1971 unter den Hammer. Der Mindestausrufpreis lag bei 300 Euro, den Zuschlag erhielt ein Käufer bei 360 Euro. Der Verkäufer erhält diesen Betrag abzüglich einer Auktionsprovision, Versicherungsgebühren und Transportkosten. Der finanzielle Gewinn dürfte also für den Verkäufer dieser einen Flasche nach den langen Jahren der Reife nicht allzu üppig ausgefallen sein.

Anders sah es bei den uralten Flaschen aus, die vor etwa sieben Jahren aus einem Schiffswrack aus der Ostsee geborgen wurden. Hier zahlten Liebhaber hohe fünfstellige Summen. Ein anderer Champagner, der Dom Pérignon Rosé Gold Edition aus 1996 in einer vergoldeten Flasche, wurde in einer Bar in Großbritannien für umgerechnet gut 41.000 Euro verkauft. Als teuerster Champagner der Welt gilt aber der Gout de Diamant Brut. Sein gewaltiger Preis rührt vor allem von dem 19-Karat Diamanten her, der auf dem Etikett aus 18-karätigem Weißgold prangt. Wert der luxuriösen Flasche inklusive edlem Inhalt: etwa 1,5 Millionen Euro.

Dieser Artikel ist in der Januar-Ausgabe unseres Monats-Magazins DER ANLEGER erschienen, die Sie unter diesem Link noch bestellen können. Darin außerdem interessante Themen wie Aktien, Fonds, Robo-Advisor, Kryptowährungen, Oldtimer und Scotch Whisky.

Was sich Champagner nennen darf

Seit dem Jahr 1927 ist gesetzlich exakt geregelt, welche Anbaugebiete im Nordosten Frankreichs Weintrauben anbauen dürfen, die später zu Champagner verarbeitet werden können. Auf insgesamt etwa 34.000 Hektar in den fünf Départements Marne (südlich der Stadt Reims und um Epernay), Aube, Aisne, Haute-Marne und Seine-et-Marne werden hauptsächlich drei Traubensorten angebaut: Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Jedes Jahr im Herbst wird jede Lage neu klassifiziert. Von den Anbauflächen für die höchsten Qualitätsstufen Grands Crus und Premiers Crus entfallen etwa 45% auf Chardonnay, 36% auf Pinot Noir und 19% auf Pinot Meunier.

Alle Weine für Champagner sind Auslesen, das heißt, schon bei der Ernte werden nur reife und gesunde Trauben sorgfältig gelesen. Die Champagner entstehen meist aus einem Verschnitt aller drei Trauben und werden nach einem ganz bestimmten Verfahren erzeugt: der Méthode champenoise.

Streng geregelt ist auch das Qualitäts/Mengen-Verhältnis: Aus 150 kg Trauben darf  nicht mehr als 100 Liter Most gekeltert werden („Zwei-Drittel-Gesetz“). Es gibt mehr als 15.000 Champagner-Winzer, die ihre Früchte meistens an die gut 150 großen Champagner-Häuser verkaufen. Die wiederum verwalten nur gut zehn Prozent der Rebflächen selbst.

Champagner richtig lagern - drei Tipps:

  • Champagner mag es ruhig, dunkel und kühl. Licht und Wärme lassen das edle Getränk schneller altern, vor allem in klaren Flaschen. Am besten sind saubere, geruchsneutrale Kellerräume mit konstanten Temperaturen zwischen 7° bis 13°C. sowie eine relative Luftfeuchte von 60% bis 70%. Die ideale Trinktemperatur liegt bei 7° bis 9°C. (und bitte nicht im Eisfach runterkühlen).  Reife, kraftvolle Champagner aus Pinot-Trauben wie der Dom Pérignon dürfen auch gerne bis zu 12°C. haben.
  • Wie verkorkter Whisky sollte auch Champagner stehend lagern, jedenfalls hauptsächlich. Die enthaltene Kohlensäure verhindert beim aufrechten Schaumwein das Austrocknen des Korkens. Beim dauerhaften Liegen wird der Champagner-Korken zu stark durchfeuchtet. Das kann zu Druckverlust führen. Ein paar Wochen pro Jahr dürfen die Flaschen aber liegen. Ein zu trockener Korken lässt das Getränk sonst oxidieren.
  • Eine optimale Lagerung vorausgesetzt kann Jahrgangs-Champagner durchaus zehn bis 20 Jahre aufbewahrt werden. Qualitativ hochwertige Sorten müssen sogar etwa zehn Jahre reifen, bevor sie ihr Maximum erreichen. Der Geschmack wird harmonischer und das Aroma intensiver. Preiswerte Champagner ohne Jahrgangsangabe hingegen werden so produziert, dass sie zum Zeitpunkt ihrer besten Trinkreife auf den Markt kommen. Diese sollten also binnen weniger Monate getrunken werden.

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