Die große Robo-Advisor Bilanz

Leon Müller | Chefredakteur
06.02.2018 14:14

2017 wuchs der Markt der Robo-Advisor beträchtlich: neue Anbieter, neue Angebote, steigende Kundenzahlen. Am Ende allerdings zählt bei allem Marketing-Sprech nur eines: die Rendite.

Das vergangene Jahr hat mit hohen Gewinnen für Börsianer geendet. Der Deutsche Aktienindex gewann 12,5 Prozent an Wert. Der Index mittelgroßer Werte MDAX verbuchte sogar ein Plus in Höhe von 18 Prozent. Und wer in Übersee investierte, konnte sogar 25 Prozent Rendite einfahren, nämlich dann, wenn er in die 30 größten amerikanischen Unternehmen investierte. Kein Grund zur Klage also. Anleger, die ihr Vermögen mithilfe der Angebote sogenannter Robo-Advisor versucht haben zu mehren, blicken zum Jahreswechsel ebenfalls auf grüne Vorzeichen in ihren Depots. Enttäuschung herrscht allenfalls darüber, dass das Plus, das die intelligenten Computer für sie erwirtschaftet haben, nicht ganz so hoch ausfällt.

Robo-Beratung als Ergänzung

Robo-Beratung als Ergänzung   Robo-Advisor sind eine relativ neue Erscheinung im deutschen Markt, erobern seither aber kontinuierlich Marktanteile (siehe auch DER ANLEGER 01/2018). Anleger schätzen vor allem den Komfort, den die automatisierten Berater ihnen bieten. Nachdem man zu Beginn einleitende Fragen beantwortet hat - so soll das Risiko- und Erwartungsprofil ermittelt werden - und eine initiale Einzahlung geleistet hat, legen die Computer auch schon los. Die meisten Angebote beschränken sich dabei auf sogenannte ETFs. Die börsengehandelten Fonds sind kostengünstig und erlauben eine sinnvolle Streuung des Kapitals auf viele verschiedene Einzelwerte. Regelmäßige Berichte halten die Kunden auf dem aktuellen Stand. So werden sie nicht nur über Veränderungen im Portfolio informiert, sondern auch über den aktuellen Vermögensstand.

Sutor Bank geht als Sieger hervor

Das Online-Vergleichsportal Brokervergleich.de erhebt seit einiger Zeit in Form von Echtgeld- Portfolios die Performance-Kennziffern der einzelnen Anbieter. Einer Auswertung zufolge haben alle getesteten Robo-Advisor im Jahr ein Plus erwirtschaftet. Am besten schnitt dabei das Angebot der Sutor Bank ab, das nach Kosten einen Gewinn von 5,5 Prozent für seine Kunden erwirtschaftete. Auf Platz 2 landete Whitebox mit einem Zugewinn in Höhe von 4,7 Prozent sowie auf Platz 3 Ginmon mit plus 4,3 Prozent. Allesamt Werte, die zwar deutlich über jenen von Spareinlagen bei Banken liegen, aber eben auch deutlich hinter den Ergebnissen vergleichbarer Benchmarks. Eine solche wäre Brokervergleich.de zufolge beispielsweise eine Kombination aus 50 Prozent MSCI World (Aktien) und 50 Prozent Barclays Aggregate Bonds. Sie hätte Anlegern ein Plus von 4,8 Prozent beschert. Einzig die Sutor Bank hat diese Vorgabe übererfüllt.

Langfristiger Erfolg steht im Vordergrund

Anleger, die sich mit dem Gedanken tragen, eines der Robo-Advisor-Angebote in Anspruch zu nehmen, sollten die Zahlen nicht überbewerten. Die Strategien hinter den einzelnen Systemen sind langfristig ausgelegt, das heißt auf einen Zeitraum von mehreren Jahren bis Jahrzehnten fokussiert. Über Erfolg und Misserfolg der Angebote wird ohnehin erst eine Phase entscheiden, in der die Aktienmärkte seitwärts bis abwärts tendieren.  Dann wird sich zeigen, wie gut das Risikomanagement der einzelnen Anbieter wirklich funktioniert. Bis dahin kann es nicht schaden, die Entwicklung zu beobachten und den modernen Helfern womöglich sogar einen Teilbetrag seines Vermögens anzuvertrauen. Den Renditehunger stillen einfache ETFs auf den DAX, den MDAX oder Dow Jones hingegen vermutlich besser.

Dieser Artikel ist in der Februar-Ausgabe unseres Magazins DER ANLEGER erschienen. 

Ausgabe 02/18

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