Scotch Whisky - Rendite-Chancen mit dem "Wasser des Lebens"

Martin Mrowka | Geldanlage/Luftfahrt/Logistik/Solar/Windkraft
05.03.2018 15:06
Ein guter Scotch Whisky ist etwas für Genießer - kann aber auch für Geldanleger interessant sein

Für Sandro Bernasconi war es ein Schock. Seine teuerste Whisky-Flasche, ein Macallan Glenlivet aus dem Jahr 1878, von seinem Vater für eine fünfstellige Summe vor 25 Jahren gekauft, entpuppte sich jüngst als Fälschung.

Ein betuchter Chinese hatte im Sommer 2017 ein 2-cl-Gläschen der Single-Malt-Rarität in der Whisky-Bar „Devil’s Place“ in St. Moritz bestellt – für 9.999 Schweizer Franken (umgerechnet etwa 8.700 Euro). Dem fernöstlichen Whisky-Kenner schmeckte es, auch Bernasconi probierte natürlich. Das Öffnen seiner teuersten Flasche war dem Hotelier dann eine Pressemitteilung wert – das Unglück nahm seinen Lauf.

Wenige Tage nach der Verkostung wurden Zweifel an der Echtheit des edlen Getränks laut. Schon das Etikett sehe nach rund 140 Jahren viel zu neu aus, raunten Experten. Whisky-Fachleute um den renommierten Experten Serge Valentin bemängelten auch die Angabe „guaranteed absolutely pure by Roderick Kemp, proprietors Macallan and Talisker Distelleries Ltd.“ Da Kemp zu keinem Zeitpunkt Besitzer beider Brennereien gewesen sei, könne da etwas nicht stimmen. Auch der Zustand des Korkens spreche gegen das aufgedruckte Brenndatum.

Bei sehr alten Whiskys ist Skepsis angebracht

Bernasconi ließ daraufhin den alten Whisky von dem Speziallabor Rare Whisky 101 (RW101) mit der aufwendigen Oxford-Methode testen. Das Ergebnis: Mit hoher Wahrscheinlichkeit stamme der Whisky aus dem Zeitraum 1970 bis 1972. Er sei auch kein Single Malt, sondern Blended – also eine Mischung von verschiedenen Whiskys.

Immer wieder kommt es seit den 90er-Jahren zu Fälschungen. Seitdem immer mehr Whisky-Liebhaber vierstellige Summen pro Flasche ausgeben und die oft zweistelligen Wertzuwächse pro Jahr mitnehmen wollen, werden auch zwielichtige Gestalten aktiv. Betroffen sind hauptsächlich Auktionen von den namhaften Destillerien Macallan und Talisker, auf denen später bestätigte Fakes auffielen. David Robertson von RW101 empfiehlt mittlerweile ganz allgemein, bei sehr alten Angeboten (vor 1900) skeptisch zu sein und diese überprüfen zu lassen.

Verfünffachung in sieben Jahren

Bei allem Ärger über die Fälschungen mit alten Whiskys – es handelt sich um Ausnahmen. Normalerweise verspricht der Kauf von hochwertigen Whiskys – der Name stammt übrigens aus dem Gällischen und bedeutet so viel wie „Wasser des Lebens“ – nach vielen Jahren Haltedauer eine hohe Rendite. Die Spezialisten von RW101 haben mehrere Indizes konstruiert, die wie Aktienindizes den Wert vieler verschiedener Whisky-S orten abbilden. Der RW Apex 100 zeigt als Top-Index die 100 besten Whiskys. Seit dem Start Ende 2010 hat sich der Index ohne nennenswerte Korrekturen verfünffacht! (siehe Chart unten)  Der breite RW Apex 1000 kommt im gleichen Zeitraum immerhin noch auf einen Wertzuwachs von gut 350 Prozent.

Immer wieder erzielen einzelne Flaschen seltener Whiskys fünfstellige Preise. Limitierte Sonderabfüllungen namhafter schottischer Destillerien sind zwar bereits bei der Anschaffung recht hochpreisig. Doch wenn der edle Tropfen zehn Jahre später zum zehnfachen Preis den Besitzer wechselt, ist die Freude groß. Immer wieder werden auch fabelhafte Renditen erzielt. Ein Black Bowmore, 1994 für 150 D-Mark gekauft, wurde nur gut acht Jahre später für 2.800 Euro versteigert. Später fielen die Preise für diesen Whisky allerdings wieder unter die 2.000er-Marke.

Noch ein Extrem-Beispiel: Im September 2011 wurde im Duty-Free-Shop des Flughafens in Singapur eine Flasche Dalmore ’62 für umgerechnet 145.000 Euro verkauft. Im Jahr 2002 hatte die seltene Flasche – es existieren nur zwölf Stück – ein Fünftel gekostet.

Top-Index für Whisky: Der RW Apex 100 hat sich seit Ende 2010 verfünffacht (Quelle: RareWhisky101.com)

Kein Wunder, dass auch in Deutschland die Sammelleidenschaft ausgebrochen ist. Immer mehr Bürger entdecken die Chancen eines Investments in Whisky, speziell in schottischen Malt-Whiskys, die aus gemalzter Gerste gebrannt werden.

Käufer sollten sich sachkundig machen

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen empfiehlt sich die Anlage in Sachwerten. Und Whisky ist ein Sachwert. Käufer brauchen das nötige Kleingeld, Sachkenntnis - und Zeit. Um sich vorab zu informieren, kann man die Seiten der Experten von Whisky.de besuchen. Sie halten auch Einkaufs-Tipps für Whisky-Einsteiger bereit (siehe unten).

Wer nicht einzelne Flaschen sammeln möchte, sondern gleich mit einer vierstelligen Summe einsteigen möchte, kann sich ein ganzes Fass kaufen, oder eine Beteiligung von 50 bzw. 25 Prozent. Die Produkte jeder Brennerei unterscheiden sich geschmacklich stark, meistens sogar jedes Fass einer einzelnen Destillerie. Fass-Whisky ist besonders sammelwürdig.

Für ein derartiges Investment benötigt man jedoch einen langen Atem: Unter 16 Jahren Haltedauer läuft meistens nichts. Der Whisky-Fass-Kauf ist meist direkt über die Brennerei möglich. Media-Berater Frank Syré, passionierter Whisky-Liebhaber, wagte 1999 den Schritt und kaufte ein Viertel von einem 1.000-Liter-Fass Laphroig Triple Wood – mit 30 Jahren Laufzeit. „Der etwas mildere 15-jährige Laphroig ist der Lieblingswhisky von Prince Charles“, verrät Syré. „Meiner wird ein richtig fieses Zeug, schön bissig.“

Kaufpreis des frisch gebrannten Single Malt damals: umgerechnet rund 2.500 Euro für den 250-Liter-Anteil, also 10 Euro pro Liter. Der Whisky-Fan erwartet nach dreifachem Umfüllen von einem Bourbon-Fass über Sherry-Fass hin zu Port und nach anschließender Abfüllung im Jahre 2029 Preise von etwa 1.000 Euro pro Liter. Eine feine Rendite – krisensicher und praktisch unfälschbar.

Dieser Artikel ist in der Januar-Ausgabe unseres Monats-Magazins DER ANLEGER erschienen, die Sie unter diesem Link noch bestellen können. Darin außerdem interessante Themen wie Aktien, Fonds, Robo-Advisor, Kryptowährungen, Oldtimer und Champagner.

Einkaufs-Tipps für Whisky-Sammler

1.    Kaufen Sie nur Original-Abfüllungen einer Brennerei und keine unabhängigen Abfüller. Ein Whisky-Sammler kauft meist drei Flaschen: Eine zum Trinken, eine zweite für die Sammlung und eine dritte zum späteren Tauschen, wenn der Preis bereits angestiegen ist.

2.    Kaufen Sie nur Flaschen von Top-Brauereien (Macallan, Bowmore, Springbank, Glenmorangie, Highland Park, Islay, Laphroig, …). Auch deutsche Destillen sind im Kommen.

3.    Kaufen Sie Sonderabfüllungen, am besten limitiert, keine Massenware. Beispiele sind Bowmore Claret, Macallan Gran Reserva oder Glenmorangie Tain L'Hermitage. Grundsätzlich eignet sich jede Flasche mit einer Jahrgangsangabe.


Benedikt Lüning - Whisky-Genießer und Gesellschafter von Whisky.de GmbH & Co. KG

4.    Beim Kaufpreis halten Sie sich etwa im Bereich 70 bis 250 Euro pro Flasche. Beobachten Sie den Markt und lesen Sie viel. Wenn einzelne Flaschen im Preis stark steigen, ist es meist zu spät zum Kaufen.


5.    Herausragende Sammlerflaschen lassen sich über Auktionen wieder verkaufen. Rechnen Sie jedoch damit, dass Flaschen unter 300 Euro von den Aktionshäusern kaum begehrt sind. Sie sollten nach strategischen Käufen etwa zehn bis 30 Jahre warten, bis Sie die Früchte Ihrer Sammlung ernten können. Allerdings werden dann wohl auch nur wenige Ihrer Flaschen extreme Preissteigerungen erzielen.


Ein paar Superlative zum Whisky


Älteste Whisky-Destillerie: Die älteste, heute noch aktive Destillerie Schottlands ist Glenturret in den östlichen Highlands. Die Brennerei startete im Jahre 1775.

Größte Whisky-Destillerie:  Gemessen am Ausstoß reinen Alkohols hält eine der jüngsten Destillerien Schottlands den Rekord. Roseisle nahe Elgin produziert jedes Jahr etwa 12,5 Millionen Liter hochprozentigen Whisky. Weltweit die meisten Whisky-Destillerien (28) besitzt der britische Getränke-Konzern Diageo. Zum börsennotierten Unternehmen gehören so bekannte Marken wie Johnnie Walker, Dimple, J&B und Talisker.

Schönste Whisky-Destillerie: Schottland-Reisende sollten einen Abstecher nach Keith machen. Am Ufer des Flusses Isla in der Speyside liegt die malerische Strathisla-Destillerie. Auch der Whisky kann sich sehen lassen.

Bester deutscher Whisky: Der erste fünfjährige Whisky von Thomas Ewers ist gelungen. The Westfalian wurde im Herbst 2017 von der International Wine And Sprit Challenge mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Größter Whisky-Produzent der Welt: Gemessen an der Produktionsmenge hält das 1,2-Milliarden-Einwohner-Land Indien den Rekord. Fast 50 Destillierien brennen dort meist nach schottischen Rezepten teils hochwertige Whiskys. Mehr als die Hälfte des gesamten in der ehemaligen britischen Kronkolonie konsumierten Alkohols entfällt auf Whisky.

Teuerster Whisky: In einer kunstvollen Sechs-Liter-Kristall-Karaffe bekam der Single-Malt-Whisky Macallan M  im Januar 2014 bei einer Versteigerung in Hongkong den Zuschlag für 628.000 Dollar (damals etwa 465.000 Euro). Das entspricht einem 0,7-Liter-Flaschenpreis von 54.250 Euro. Eine Flasche aus einer anderen M-Serie kann derzeit für etwa 4.600 Euro gekauft werden.


Der teuerste Whisky der Welt: Macallan M

Ausgabe 07/18

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