Sie sind nicht allein

Leon Müller | Chefredakteur
08.05.2018 09:10

Wagen Sie den Sprung? Kürzlich rief ich mir wieder diese Textzeile aus dem Musikstück „Everybody’s Free“ des australischen Regisseurs Baz Luhrmann („Der große Gatsby“) ins Gedächtnis: „Do one thing everyday that scares you“ – „Machen Sie jeden Tag etwas, wovor Sie Angst haben“. Das Stück ist die Vertonung einer Zeitungskolumne, ein Füllhorn an Lebensweisheiten. Manche davon sind ehrlich, andere ironisch. Diese eine ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Weil Sie bei Umsetzung alles ändert. 

Offenbar sind auch wir Deutschen auf dem besten Weg, eine alte Angst abzulegen: die vor dem Geldverdienen. Wir haben dazugelernt. Die Zahl derjenigen, die wieder in Aktienfonds und einzelne Aktien investieren, ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Im Sog steigender Kurse und vor dem Hintergrund nicht existenter Guthabenzinsen haben über eine Million neue Anleger den Weg aufs Börsenparkett gefunden, dabei Aktien, Aktienfonds oder beides gekauft. Damit zählt Deutschland erstmals seit 2007 – als die Finanzkrise über uns hereinbrach – wieder mehr als zehn Millionen aktive Anleger. Besonders erfreulich: Die jungen entdecken mehr und mehr die Vorteile der Börse für sich. Weniger erfreulich: Die Mid-Ager zwischen 40 und 49 Jahren bleiben ihr weiter fern. Liegt es an den Erfahrungen der Dotcom-Ära? Womöglich. Eines jedoch machen die neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts deutlich: Wir haben dazugelernt. Anders als um die Jahrtausendwende haben die Deutschen ihr Geld mit dem Ausbruch der Finanzkrise nicht etwa aus dem Aktienmarkt abgezogen – sie haben sogar mehr investiert. Insofern fürchte ich den Lackmus-Test nicht, der uns mit der nächsten Baisse ins Haus steht: Sobald die Zinsen wieder deutlich anziehen, werden Aktien zwar an Überlegenheit gegenüber anderen Anlagen verlieren – unattraktiv indes werden sie nicht.

Die eingangs zitierte Textzeile erinnert mich immer daran, dass es gar nicht so schwierig ist, die eigene Angst zu überwinden. Sie fürchten Aktienkäufe, weil Sie Angst haben, Geld zu verlieren? Die Wahrheit ist: Sie verlieren es, wenn Sie es nicht tun. Die eine Angst ist einem präsent, die andere vergräbt man im Kopfkissen. Kaufen Sie gleich heute Aktien. Erstens sind Sie damit nicht allein. Und zweitens werden Sie alsbald sehen, dass das alles andere als zum Fürchten ist. Und wenn es zu Beginn nicht so läuft wie erhofft – grämen Sie sich nicht. Denn in 20 Jahren werden Sie vermutlich ohnehin feststellen, dass die Aktien mehr wert sind als heute. Sie haben doch nicht dafür gearbeitet, dass Ihr Geld versauert! Lassen Sie es endlich für sich arbeiten. Sie müssen ihm nur die Möglichkeiten geben. Denn eines ist gewiss – und diese Worte stammen nicht von mir, sondern von einem weitaus klügeren Menschen, nämlich von Albert Einstein: Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Es ändert sich nichts, wenn Sie nichts ändern, gleich heute. Ändern muss ja nicht zwangsläufig heißen, Aktien zu kaufen. Wie man auf anderen Wegen eine Rendite von 3 Prozent plus X erwirtschaftet, zeigen wir in unserem Schwerpunktthema. 


Diese Kolumne ist in der April-Ausgabe unseres Magazins DER ANLEGER erschienen, die Sie hier lesen können.

Ausgabe 06/18

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